
Stellen Sie sich vor, Sie erhalten wie gewohnt eine Rechnung von einem Dienstleister – doch am unteren Rand ist in roter Schrift vermerkt, dass sich die Bankverbindung geändert habe. Überweist man in diesem Fall an das „neue Konto“, geht das Geld nicht an den eigentlichen Anbieter, sondern direkt an Betrüger.
Genau so sah eine Rechnung aus, die ich kürzlich von Domainfactory erhalten habe. Da ich dort meine Rechnungen per PayPal begleiche, war es für mich nicht relevant – aber viele Unternehmen zahlen klassisch per Überweisung. Für sie könnte ein solcher Hinweis fatale Folgen haben.
Bei Domainfactory habe ich nachgefragt und bekam bestätigt, dass in diesem Fall die Bankverbindung tatsächlich geändert wurde, aber mir sind Fälle bekannt, wo das nicht der Fall war.
In der Regel werden Rechnungen nicht beim Versender selbst manipuliert, sondern unterwegs oder im E-Mail-Postfach des Empfängers. Cyberkriminelle verschaffen sich Zugang zu einem E-Mail-Account, fangen die Originalrechnung ab, ändern die Bankverbindung und leiten sie anschließend weiter. Das Ergebnis: Auf den ersten Blick wirkt das Dokument authentisch, lediglich die Zahlungsdaten wurden ausgetauscht.
Damit Sie nicht Opfer einer solchen Betrugsmasche werden, sind folgende Schritte sinnvoll:
Ab Oktober 2025 tritt in der EU eine neue Vorschrift in Kraft: Banken müssen bei Überweisungen prüfen, ob IBAN und Empfängername zusammenpassen. Weicht der Name deutlich von dem registrierten Kontoinhaber ab, erhalten Zahlende einen Warnhinweis.
Das bedeutet: Wenn ein Betrüger eine Rechnung mit einer gefälschten IBAN versendet, die nicht zum angegebenen Namen passt, wird die Bank in Zukunft warnen. Damit wird eine der häufigsten Betrugsmaschen deutlich schwerer durchzuführen.
Auch mit der neuen Regelung gilt: Vorsicht und gesunder Menschenverstand bleiben unverzichtbar.
Eine weitere Möglichkeit, Manipulationen zu erschweren, sind XRechnungen. Sie werden in einem strukturierten Datenformat (XML) erstellt und über standardisierte Wege übermittelt. Dadurch sind Änderungen deutlich schwieriger als bei klassischen PDF-Anhängen.
Ganz ausschließen lässt sich Betrug auch hier nicht, aber XRechnungen sind ein zusätzlicher Baustein für mehr Sicherheit.
Mit der neuen Pflicht zum Abgleich von IBAN und Empfängername wird es für Betrüger schwerer, manipulierte Rechnungen erfolgreich einzusetzen. Unternehmen dürfen sich aber nicht in falscher Sicherheit wiegen: Es bleiben Restrisiken, und nur durch eine Kombination aus technischen Sicherheitsmaßnahmen, internen Prozessen und geschultem Personal lässt sich das Risiko wirksam reduzieren.
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